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| Edition 25/02
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30. Dezember 2002 |
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Private Partnerschaft - oder die notwendige Balance des Managers.
Vielleicht haben Sie die Weihnachtsfeiertage im
Kreise der Familie wieder etwas
zur Ruhe kommen lassen. Manchem, der
tagtäglich in seiner Führungsaufgabe
gefordert ist, ist dies vielleicht nicht gelungen. Dabei
sind private Beziehungen,
Partnerschaften ausserhalb des beruflichen Umfeldes
eine wichtige Angelegenheit,
die zur Balance des Managers beitragen.
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Gewinnen.
Gewinnen scheint alles zu sein. Oftmals gelingt es uns
nicht und dann geraten
wir in Selbstzweifel, auch in Zweifel, wie andere unser
Scheitern beurteilen.
Kündigen Sie uns die Beziehung auf, weil wir
nicht den Erwartungen genügen?
Private Beziehungen leben durch andere Inhalte als
berufliche Beziehungen. Letztere
sind auf Nützlichkeit aufgebaut, stürzen
diese Nützlichkeiten,
stürzen meistens auch die Beziehungen. Oftmals
hat man den Eindruck, berufliche
Beziehungen sind streng digital. Liefert man den
erwarteten Nutzen, so steigt
die Tragfähigkeit der Beziehung mit dem Grad der
Nützlichkeit, verschwindet
der Nutzen, flieht die Partnerschaft. Diejenigen, die
eine hohe Managementposition
aufgeben mussten, sind oftmals tief enttäuscht,
dass die Personen, mit
denen sie bisher hervorragend in Verbindung standen,
mit Aufgabe der Position
auch ihre Aktionen und ihre Haltungen aufgegeben
haben und nach geraumer Zeit
vollständig von der Bildfläche
verschwunden sind. Richard Bach und
Russell Munson schreiben über die Möwe
Jonathan: 'Niemals
dürfen Seemöwen aufhören zu
schweben oder zu fliegen, niemals
dürfen sie absacken. Für eine Möwe
bedeutet das Schmach und Schande.'
Dabei gehören vor allem
Führungskräfte zu den Menschen, die
Herausforderungen annehmen. 'Die meisten
Möwen begnügen sich
mit den einfachsten Grundbegriffen des Fliegens, sind
zufrieden, von der Küste
zum Futter und zurück zu kommen. Ihnen geht
es nicht um die Kunst des Fliegens,
sondern um das Futter.' Führungskräfte
arbeiten nicht nur
wegen des überdurchschnittlichen Einkommens.
Sie sind am Erfolg, an der
Machbarkeit ihrer Ideen und der Erfüllung ihrer
Aufgaben orientiert. Solche
Grundhaltung macht sie für Ihre private
Umgebung nicht gerade einfach.
'Diese Neigung machte ihn bei den übrigen
Vögeln nicht gerade
beliebt, das merkte er bald. Selbst seine Eltern waren
unzufrieden, dass Jonathan
ganze Tage mit seinen Experimenten im tiefen Gleitflug
verbrachte und seine
Übungen hundertfach wiederholte.'
Führungskräfte erleben Zuneigung von
Mitarbeitern, Kunden und Shareholdern,
wenn es ihnen gelingt, nach vielen mühevollen
Anläufen, ein Unternehmen
weiter zu bringen. Im Laufe vieler Jahre könnte
man die Begriffspaare Zuneigung-Erfolg
und Ablehnung-Misserfolg als das praktische
Paradigma des Manager-Lebens übernehmen.
Vielleicht glaubt man plötzlich an die
Aussage: 'Man kann überall
hinkommen, man muss es nur wirklich wollen. Ich bin
überall gewesen und
in allen Zeiten, die ich mir vorstellen kann. (...)
Seltsam, Möwen, die
um ihrer begrenzten Wege und Ziele willen
Vollkommenheit des Fliegens verachten,
kommen nur langsam vorwärts und nirgendwo
an.'
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Privates.
Im privaten Umfeld zählen diese Kategorien nicht.
Die liebende Zuwendung
unserer Partner geschieht ohne Bedingung. Ohne
Bedingung an irgendeine Leistung.
Man braucht kein Abitur, keine Kenntnisse einer
Fremdsprache, keinen exzellent
erarbeiteten Marketingplan und schon gar keine
erfolgreiche bottom-line um geliebt
zu werden. Unsere Kinder lieben uns schon deswegen
ohne diese Attribute, weil
sie diese nicht kennen und unsere Partner lieben uns,
weil sie am besten auf
die Frage: 'Wieso liebst Du mich?' nichts sollten
antworten können.
Wer liebt und Gründe angeben kann, der muss
wissen, dass mit Wegfall dieser
Gründe auch die Liebe entfällt. Das aber
gerade verstehen wir nicht
unter Liebe.
Es ist wichtig zu erfahren, dass man bedingungslos
geliebt wird. Eben weil
man da ist, nicht weil man eine Leistung liefert. Ehen
sind keine Kunden-Lieferanten
Beziehungen. Manche Führungskräfte
verschliessen sich vor diesem Gedanken
der bedingungslosen Liebe und 'erkaufen' sich die
Zuwendungen ihrer
Partner durch teure Geschenke oder einen
aufwendigen Lebensstil. Diese 'ars
vivendi' ist nicht die Lebenskunst, die Manager
benötigen. Wenn der
eigene Wert an der Anerkennung anderer gemessen
wird, dann neigt man dazu 'marketing-orientiert
in dieses Anerkennungssystem einzuzahlen'. Das
Ergebnis ist bekannt: Je
mehr Leistung, desto mehr Anerkennung.
Führungskräfte benötigen
die Chance aus diesem Teufelskreis von Invest und
Return bezüglich ihrer
eigenen Wertstellung auszubrechen. Familien sind
dazu die beste und naheliegendste
Schule.
Die Folgen dieser Chance sind manchmal
überraschend hilfreich. Führungskräfte,
die sich in bedingungslosen Partnerschaften
aufgehoben fühlen, werden ehrlicher.
Die opportunistische Lüge, die versucht Fehler
und damit Ablehnung zu verstecken,
ist nicht mehr notwendig, da Akzeptanz nicht mehr
aus einem Leistungsgefüge
gewonnen wird. Dies verändert auch die
Projektkulturen am Arbeitsplatz.
Meetings werden offener, man traut sich seine eigene
Meinung zu sagen, ohne
Angst Anerkennung zu verlieren und damit
persönlich 'vernichtet'
zu sein. Mut zum Widerspruch und Mut zur
Transparenz tritt auf. Übrigens
auch Reden werden besser, weil sie sich auf
Informationsweitergabe statt auf
Anerkennung des Redners fokussieren. Mitarbeiter
werden ermutigt etwas zu wagen
und fühlen sich sicherer, weil wir diesen
Menschen ebenfalls deutlicher
ohne reine Leistungsbeziehung begegnen.
Wir lernen durch den Schutz unserer privaten
Partner offen über Sorgen
und Misserfolge zu sprechen und dort wo wir dies
nicht wollen, geschieht das
Schweigen nicht aus Angst vor Entdeckung, sondern
aus anderen Motiven. Wer sich
aufgehoben fühlt, der erzählt nicht
geschwätzig jedes Detail
seines Berufsalltages, da er zur Stabilität seiner
privaten Beziehung keine
'Erfolgsstories' und keine 'low hangig fruits'
benötigt.
Dies zeigt sich dann auch am Arbeitsplatz in geringerer
Geschwätzigkeit
und grösserer verbaler Bescheidenheit.
Angebertum hört auf, wenn wir
zu Hause geliebt werden.
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Die Balance am Arbeitsplatz.
Die Balance zwischen Leistungsorientierung und
Anerkennung ohne Bedingungen
als Person ist eine wichtige Balance für den
Erfolg im Berufsleben. Partner
von Führungskräften gestalten diese
Balance. Sie tun es nicht um uns
zu stabilisieren, denn das wäre ja bereits selbst
wieder ein subtiles,
fast verborgenes Investment-System. Nein sie tun es
einfach deshalb, weil sie
uns lieben und alle übrigen Effekte sind
Nebenwirkungen. Somit ist auch
die Balance eine Nebenwirkung und keine Absicht. Man
kann diese Balance nicht
absichtlich herstellen. Viel zu schnell geraten private
Partnerschaften von
Führungskräften in den Strudel der
Nützlichkeiten und zerstören
damit die Nebenwirkungen der nun in ihrer Basis
zerstörten Liebesbeziehungen.
Man kann die bedingungslosen Partnerschaften
(wieder) erlernen. Obwohl sie emotionaler
Natur sind, lässt sich doch über sie
nachdenken. 'Johnathan,
erinnerst Du Dich, was Du mir vor sehr langer Zeit
einmal gesagt hast - dass
man den Schwarm so sehr lieben muss, dass man
zurückkehrt und ihm hilft?
- Sicher. - Ich begreife nicht, wie Du einen Mob lieben
kannst, der eben noch
versucht hat, Dich umzubringen. - Oh, Fletcher, den
Mob liebt man nicht! Man
liebt nicht den Hass und das Böse,
natürlich nicht. Du bist nicht
unerfahren, Du musst Dich ständig
bemühen, die wahre Möwe den
guten Kern in jeder einzelnen von ihnen, zu erkennen.
Du musst ihnen helfen,
sich selbst zu sehen.'
Beziehungen zwischen Menschen beruhen auf einem
aktiven Anerkennungsakt. Wer
diesen fertig bringt, der gestaltet auch aktiv
Beziehungen ausserhalb des Privaten.
Mitarbeiter fühlen diesen aktiven
Anerkennungsakt ebenso wie ihn Kunden
identifizieren. Das immer wieder
geforderte 'Zuhören können'
ist kein Zuhören aus utilitaristischen Motiven, es
ist tatsächliches
Interesse an der mentalen und emotionalen Position
des anderen. Ob diese Position
dann verwendbar ist, also selbst nützlich z.B.
für den Projekterfolg
wird, ist unabhängig vom vorherigen
interessierten Zuhören.
Führungskräfte, die sich nicht in der
Balance zwischen Utilitarismus
und Liebe befinden, haben verlernt zuzuhören.
Sie mögen auch meistens
ihre Mitarbeiter nicht, sondern verwenden diese zum
Unternehmenserfolg. Menschen
entziehen sich solchen mechanistischen Systemen.
Die, die es nicht können,
verkaufen sich an ihre Chefs, anstatt mit diesen um
eine gemeinsame Sache zu
kämpfen. Manche Führungskräfte
kamen aus einem echten Team und
wechselten in eine neue Position in einen anderen
Unternehmensbereich, um dort
auf grosse Schwierigkeiten zu stossen. Schuld daran
ist oftmals ein anfängliches
Misstrauen, eine Überzeugung, dass
die 'geerbten' Mitarbeiter
Versager sind und zu wenig Realitätssinn haben.
Es dauert nicht lange und
man 'mag diese Mitarbeiter nicht mehr'.
Dieses 'Nichtmögen'
lässt sich nicht verheimlichen, es kriecht wie
Wasser durch die Ritzen
und lässt die Balance zwischen sympathischem
Vertrauen und Nützlichkeit
zu Lasten der Nützlichkeit ausschlagen. Auf
diesen Input schlägt das
System zurück. Schwindende Ownership, geringe
Gefolgschaft, deprimierte
Innovation, untaugliche Prozesse und Kämpfe um
Besitzstände sind die
darauf folgenden Horrorszenarien, die dann
unerwünschte Ergebnisse in der
bottom-line nach sich ziehen.
Stabile intakte private Partnerschaften können
hier Milliardenergebnisse
von Unternehmungen ermöglichen.
Führungskräfte, die (wieder)
erlernen, dass Menschen Selbstvertrauen aus der
bedingungslosen Zuneigung durch
andere entwickeln: 'Jonathan seufzte und sah
über das Meer hinaus.
Du brauchst mich nicht mehr. Was Du brauchst ist
Selbstvertrauen. Finde zu Dir
selbst täglich ein wenig mehr. Finde die wahre,
unbegrenzt freie Möwe
Fletcher.' sind Führungskräfte mit
hohem Potential für
Unternehmensgewinne. Wer erlebt, dass man
anwesend sein darf ohne Leistungsprinzip,
der erhöht seine Fähigkeit zur Leistung und
bringt diese freiwillig
ein. Eben nicht als Investment sondern als Beitrag zu
dem Gemeinsamen. Man muss
nur erst einmal erkennen, dass die Freiwilligkeit dieses
Beitrages nicht durch
Anreizsysteme entsteht, sondern durch die Sicherheit
auch dann anerkannt zu
werden, wenn man die Leistung nicht erbracht
hätte. Im Privaten gilt dieses
Prinzip im Totalen, am Arbeitsplatz ist es
eingeschränkt durch die Gesamtnützlichkeit
einer Unternehmung zum Kunden.
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Bei Maschinen gibt es dieses Anerkennungsprinzip
nicht, obwohl manche Ihrem
Computer einen Namen geben und ihn sanft streicheln.
Bei Menschen am Arbeitsplatz
gilt es sehr wohl. Wer allerdings Lob, Anerkennung und
Einbindung ausschliesslich
aus Nützlichkeitsüberlegungen verteilt,
hebt den wahren Charakter
von Lob, Anerkennung und Einbindung auf. Diesen
Unterschied kennen leider nur
diejenigen Führungskräfte, die zuhause
wirklich um ihrer selbst geliebt
werden. Starke und selbstbewusste Frauen
können dies.
Ihr
Gerhard Zapke-Schauer
PS:
email: team@euratio.ch
voice: +41-1-214 62 81
web: http://www.euratio.ch
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